Im Januar 2026 nahm Wira Satschenko, CEO von BDO in der Ukraine, am Weltwirtschaftsforum (WEF26) in Davos teil. Das zentrale Thema der ukrainischen Präsenz war die Transformation des Landes von der Stabilität zu einem groß angelegten Wiederaufbau, die Mobilisierung von Privatkapital und die Schaffung verständlicher Mechanismen zum Schutz von Investoren in Kriegszeiten.
Die Ukraine in Davos 2026: Der Wiederaufbau geht weiter, „die Zeit ist jetzt gekommen“.
Öffentliche Diskussionen im Ukrainischen Haus und in thematischen Podiumsdiskussionen haben deutlich gemacht: Die Ukraine wartet nicht auf den „Zeitpunkt nach dem Sieg“: Der Wiederaufbau und die Rekonstruktion finden bereits jetzt statt, parallel zum Kampf. Im Mittelpunkt stehen Infrastruktur, Energie, Verkehr, Häfen, Wohnraum und soziale Einrichtungen als Voraussetzung für den Schutz der Menschen, das Funktionieren der Wirtschaft und die Stabilität der Städte.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Energieversorgung als Priorität Nr. 1 aufgrund der systematischen Angriffe Russlands auf die Stromerzeugung und die Netze: Wiederaufbau, Ersatz von Kapazitäten und Vorbereitung der Grundlage für die Modernisierung. Dies ist eine Frage des Überlebens und der Wettbewerbsfähigkeit.
Gleichzeitig wurde den Investoren gezeigt, dass die ukrainische Logistik und die Häfen selbst unter den Bedingungen ständiger Angriffe betriebsfähig bleiben: Es wurde das Beispiel angeführt, dass die Hafenbetreiber 95 % des Jahresplans für den Güterumschlag erfüllt haben, sowie die Bereitschaft signalisiert, durch Konzessionsprojekte Kapital anzuziehen.

De-Risiking und Kriegsrisiken: notwendig, aber nicht ausreichend
In Davos 2026 wurde die gemeinsame Position internationaler Finanzinstitutionen und privater Akteure deutlich: Die massive Kapitalrückführung beschleunigt sich, wenn Derisking-Instrumente (Garantien, Mechanismen zur Absicherung von Kriegsrisiken, strukturierte Kofinanzierung) zum Einsatz kommen und die ersten großen erfolgreichen Transaktionen stattfinden, die einen Nachahmungseffekt haben. Dies wurde von der IFC, der EBRD, der JICA, der EIB und anderen Partnern bestätigt.In den Podiumsdiskussionen zum Thema „Wirtschaft der Zukunft“ wurde besonders betont, dass Frühinvestoren Risikominderungslösungen (insbesondere die Absicherung/Versicherung von Kriegsrisiken) als Grundlage benötigen, auf der Infrastruktur-, Energie- und Technologieprojekte skaliert werden können.
Gleichzeitig lautet eine der wichtigsten strategischen Schlussfolgerungen des WEF26, dass Risikominderung ohne gerichtlichen Schutz ein unvollständiges Instrument ist.
Die Versicherung von Kriegsrisiken senkt die Eintrittsbarriere und sorgt für kurzfristige Stabilisierung, ist jedoch ein vorübergehendes Instrument. Sie beantwortet nicht die grundlegende Frage nach der Haftung für verursachte Schäden.
Die systematische Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen gegenüber dem Aggressor hingegen verändert die Spielregeln: Es findet ein Übergang von der Logik „Risiko kompensieren” zur Logik „wirtschaftliche Verantwortung schaffen” statt. Genau dieser Rahmen bildet die Grundlage für eine neue Wirtschaft der Verantwortung – die Accountability Economy.
Europäische Integration als Garant für Spielregeln
In Davos wurde ein klares Signal ausgesendet: Die europäische Integration ist kein politisches Schlagwort, sondern ein wirtschaftlicher Magnet, der Standards und Vorhersehbarkeit schafft. Die Ukraine befindet sich in einer Phase der aktiven Umsetzung von Reformen; es wurde besonders betont, dass die Integration in den europäischen Energiemarkt bereits 2027 praktische Realität werden soll.
Innovation und Verteidigungsstabilität als Teil der Investitionsattraktivität
Diskussionen über die Zukunft der Ukraine haben die einzigartige Geschwindigkeit des ukrainischen Innovationsmodells „Schlachtfeld → F&E → Produktion“ hervorgehoben, das Technologieentwicklungszyklen auf Wochen verkürzt und eine neue wettbewerbsfähige Wirtschaft schafft. Dies verändert die Wahrnehmung der Ukraine: Das Land ist ein Anbieter von Lösungen für die Sicherheit und Stabilität Europas und nicht mehr nur ein „Hilfsempfänger“.Der systematische Ansatz von BDO: von der Feststellung des Schadens bis zum Beitreibungsverfahren
Das Team von BDO in der Ukraine hat zuvor ein praktisches Dokument für Unternehmen erstellt: „Wie Unternehmen im Falle einer Beschädigung von Eigentum infolge bewaffneter Aggression vorgehen sollten: ein Schritt-für-Schritt-Plan”.Das Dokument beschreibt:
- Algorithmus zur Feststellung von Schäden
- Erlangung des Status eines Geschädigten in einem Strafverfahren
- Methodik zur Bewertung der tatsächlichen Schäden und entgangenen Gewinne
- Einreichung einer Klage beim Wirtschaftsgericht auf Schadenersatz durch den Aggressorstaat
- Steuerliche Auswirkungen und Buchhaltung
- Möglichkeiten staatlicher Förderprogramme..
Schwerpunkt: Die Feststellung des Schadens ist nur der erste Schritt. Der nächste Schritt besteht darin, diese Feststellung in ein korrektes Gerichtsverfahren zu überführen, das die rechtliche Grundlage für eine künftige Entschädigung schafft.
Gerichtlicher Schutz von Investitionen: praktische Hinweise für Investoren
Am Rande des WEF26 führte Vira Savchenko ein Fachgespräch mit dem Richter des Wirtschaftsgerichts der Stadt Kiew, Serhij Vasylovych Stasyuk, über den gerichtlichen Schutz von Investitionen unter Kriegsbedingungen. Im Mittelpunkt standen pragmatische Fragen, die sich Investoren stellen:
- Funktionieren die Gerichte?
- Werden Entscheidungen umgesetzt?
- Gibt es Präzedenzfälle?
- Gibt es eine systematische Position des Staates?
Zu den wichtigsten Signalen, die für die Wirtschaft von Bedeutung sind, gehören:
- Der Oberste Gerichtshof hat eine Position zum Fehlen der gerichtlichen Immunität Russlands in Fällen von durch Aggression verursachten Schäden eingenommen.
- Wirtschaftsgerichte nehmen Klagen gegen den Aggressorstaat an und entscheiden über die Erstattung von Schäden.
- Es wird ein internationales Register für Schäden eingerichtet.
- Die eingefrorenen Vermögenswerte Russlands im Ausland bilden eine potenzielle Grundlage für die Vollstreckung von Urteilen.
Dies bedeutet, dass sich allmählich eine Reihe von Gerichtsentscheidungen herausbildet. Und diese Reihe von Gerichtsentscheidungen gegen den Angreifer wird zu einem wirtschaftlichen Faktor und nicht nur zu einem juristischen Verfahren.

Die Ukraine als Testumgebung für neue Mechanismen
Das WEF26 hat einen weiteren wichtigen Trend aufgezeigt: Die Ukraine ist nicht mehr nur ein Gebiet mit erhöhtem Risiko. Sie ist ein Labor für ein neues Modell der wirtschaftlichen Sicherheit, in dem Folgendes getestet wird:- Versicherung gegen Kriegsrisiken
- Hybride Finanzierung des Wiederaufbaus
- Gerichtsurteile gegen den Angreiferstaat
- Integration nationaler Verfahren in die internationale Entschädigungsarchitektur.
Genau hier entsteht eine Kombination von Instrumenten, die die globale Praxis der Reaktion auf zwischenstaatliche Aggressionen beeinflussen kann..
Internationale Dimension: Strukturierter Einstieg in den Wiederaufbaumarkt
Parallel dazu hat das BDO-Team mit Unterstützung seiner Partner Material für internationale Unternehmen vorbereitet: „8 Practical Steps to Start Working with Ukraine’s Reconstruction” („8 praktische Schritte für den Einstieg in den Wiederaufbau der Ukraine”)
Das Dokument systematisiert den Ansatz für den Eintritt in den Wiederaufbaumarkt:
- Identifizierung des Endbegünstigten
- Verständnis der Beschaffungsverfahren
- Erstellung eines Impact-Cases
- Einbeziehung von Exportkreditagenturen
- Organisation der Kofinanzierung
- Partnerschaft mit einem lokalen Unternehmen.
Dies bestätigt die Kernaussage: Wiederaufbau ist ein strukturierter Prozess, bei dem Finanzierung, Recht und institutionelle Kapazitäten zusammenwirken.
Strategische Schlussfolgerung
Das WEF26 hat gezeigt, dass die Investitionsarchitektur der Ukraine aus drei Ebenen besteht:
- Risikominderung durch Garantien und Versicherungen
- ein funktionierendes Justizsystem
- die Schaffung wirtschaftlicher Verantwortung des Aggressors.
Genau diese Kombination schafft die Grundlage für Vertrauen. Die Ukraine wechselt von einem Modell, bei dem Risiken kompensiert werden müssen, zu einem Modell, bei dem Risiken übernommen werden müssen. Dies verändert die Spielregeln nicht nur für die Ukraine, sondern auch für die Weltwirtschaft.
BDO in der Ukraine unterstützt Unternehmen in Fragen der Wiederherstellung, Entwicklung und des Risikomanagements.
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